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09.02.2026

Neuer SWÖ-KV-Abschluss 2026/2027: Was sich in der Sozialwirtschaft jetzt ändert

Es gibt Neuigkeiten aus der Sozialwirtschaft: Nach einem langen Verhandlungsmarathon wurde ein neuer Kollektivvertrags-Abschluss für die Sozialwirtschaft Österreich (SWÖ) erzielt. Betroffen sind rund 130.000 Beschäftigte im privaten Gesundheits-, Sozial- und Pflegebereich – also viele Menschen, die in sozialen Organisationen, in der Betreuung, in der Pflege oder in verwandten Bereichen arbeiten (oder dort arbeiten möchten).

Der Abschluss bringt nicht nur Gehaltserhöhungen, sondern auch Verbesserungen bei Arbeitsbedingungen, die im Alltag eine spürbare Rolle spielen können. In diesem Beitrag fassen wir die wichtigsten Punkte verständlich zusammen und erklären, was das für Beschäftigte, Jobsuchende und Organisationen bedeutet.

Ein Abschluss nach intensiven Verhandlungen

Die Verhandlungen waren dieses Mal besonders umfangreich und dauerten über mehrere Runden. In der Nacht auf den 27. Jänner 2026 kam schließlich nach 17 Stunden eine Einigung zustande. Dass es so lange gedauert hat, zeigt auch: Der Druck im Sozialbereich ist hoch.

Viele Einrichtungen kämpfen mit Personalmangel, steigenden Anforderungen und knappen Budgets. Gleichzeitig ist klar: Damit soziale Arbeit langfristig gut funktionieren kann, braucht es faire Bezahlung und Rahmenbedingungen, die Menschen in diesen Berufen halten und neue Fachkräfte motivieren, einzusteigen.

Die SWÖ beschreibt den Abschluss als wichtigen Schritt, um „Planungssicherheit und Versorgungsstabilität“ zu schaffen, gerade in einer angespannten Budgetlage.

Gehaltserhöhungen: Was ist geplant?

Die Anpassungen erfolgen in zwei Schritten über zwei Jahre.

Der erste Schritt gilt ab 1. April 2026. Ab diesem Zeitpunkt steigen die KV-Mindestgehälter, Zulagen und Lehrlingsgehälter um 2,60 %. Das ist besonders relevant, weil KV-Mindestgehälter in vielen Organisationen die Grundlage für Einstufung und Bezahlung sind.

Auch die sogenannten IST-Gehälter (also die tatsächlich bezahlten Gehälter, die oft über dem Minimum liegen) werden angepasst – hier beträgt die Erhöhung 2,40 %. Für viele Beschäftigte ist das wichtig, weil es zeigt: Nicht nur Neueinstufungen oder Mindestwerte bewegen sich, sondern auch bestehende Gehälter im laufenden Dienstverhältnis.

Der zweite Schritt folgt ab 1. Jänner 2027. Dann ist eine Erhöhung von 2,3 % vorgesehen. Zusätzlich gibt es einen Mechanismus, der die Inflation teilweise berücksichtigt. Es wurde ein Korridor zwischen 2,3 % und 2,7 % festgelegt. Liegt die Inflation höher, wird ein Teil davon zusätzlich abgegolten.

Über beide Jahre hinweg ergibt sich insgesamt ein Plus von rund 5 %, je nachdem, wie sich die Teuerung entwickelt.

Für Eva Scherz, leitende Verhandlerin der Gewerkschaft GPA, bringt das Ergebnis „gute Fortschritte im Rahmenrecht“, ist auf der Einkommensseite aber „ein harter Kompromiss“.

Auch Michaela Guglberger, Verhandlerin der Gewerkschaft vida, bedankt sich ausdrücklich bei den Beschäftigten für ihr Engagement und betont, dass dieser Abschluss „angesichts der wirtschaftlichen Situation das Maximum ist, das erreicht werden konnte“.

Was bedeutet das für Beschäftigte?

Für Beschäftigte im SWÖ-Bereich sind diese Anpassungen vor allem eine finanzielle Entlastung – auch wenn vielen bewusst ist, dass steigende Lebenshaltungskosten weiterhin ein großes Thema bleiben.

Wichtig ist außerdem: Es geht nicht nur ums Gehalt. Gerade in sozialen Berufen zählt oft auch, wie gut der Alltag organisiert ist und wie fair Rahmenbedingungen gestaltet sind. Neben den Zahlen zur Gehaltsentwicklung wurden auch mehrere Punkte vereinbart, die im Arbeitsalltag eine Rolle spielen. Dazu gehören unter anderem Verbesserungen für Teilzeitkräfte, zusätzliche Regelungen rund um Pflegefreistellung, klarere Einstufungen bei Ausbildungsberufen sowie die Anrechnung von Präsenz- und Zivildienst als Vordienstzeit.

Auch Themen wie Altersteilzeit und geteilte Dienste wurden berücksichtigt. Diese Punkte sind vielleicht weniger „headline-tauglich“ als eine Prozentzahl, können aber langfristig einen großen Unterschied machen, weil sie direkt mit Belastung, Vereinbarkeit und Fairness zu tun haben.

Kurz gesagt: Es geht um ein Gesamtpaket, das den Beruf nicht nur „bezahlbarer“, sondern auch langfristig besser machbar machen soll.

Was bedeutet das für Jobsuchende?

Wenn du gerade einen Job im Sozialbereich suchst (oder über einen Wechsel nachdenkst), ist der KV-Abschluss aus mehreren Gründen interessant.

Erstens, weil er zeigt, dass sich in der Branche etwas bewegt und Gehälter angepasst werden. Auch wenn jede Organisation unterschiedlich zahlt, ist der KV immer eine wichtige Orientierung, weil er Mindeststandards festlegt und Gehaltsentwicklungen beeinflusst.

Zweitens, weil Verbesserungen im Rahmenrecht oft direkt spürbar sind, zum Beispiel bei der Frage, wie Teilzeit geregelt ist, welche Rechte Mitarbeitende haben oder wie transparent Einstufungen ablaufen.

Und drittens, weil solche Abschlüsse oft auch Einfluss darauf haben, wie Organisationen ihre Stellen gestalten: Manche passen Rollenprofile an, andere investieren stärker in Bindung und Teamstrukturen, weil sie merken, dass Recruiting allein nicht reicht.

Wenn du dich bewirbst, kann es sich daher lohnen, im Bewerbungsgespräch konkret nachzufragen, wie die Organisation mit KV-Anpassungen umgeht und welche Entwicklungsmöglichkeiten es intern gibt.

Was bedeutet das für Arbeitgeber und Organisationen?

Für Arbeitgeber in der Sozialwirtschaft bringt der Abschluss vor allem eines: Planbarkeit, aber auch Handlungsbedarf.

Die Gehaltsschritte ab April 2026 und Jänner 2027 müssen in Budgets und Personalplanung eingerechnet werden. Je nachdem, wie eine Organisation finanziert ist (z. B. über Förderungen oder Leistungsvereinbarungen), kann das auch Abstimmungen mit Fördergebern oder Trägerstrukturen erfordern.

Zusätzlich können die Änderungen im Rahmenrecht Auswirkungen auf interne Prozesse haben – etwa bei Einstufungen, bei Teilzeitmodellen oder bei der Dienstplanung. Gerade in Teams, die ohnehin stark belastet sind, kann es entscheidend sein, diese Anpassungen frühzeitig gut zu organisieren.

Gleichzeitig ist der Abschluss aber auch eine Chance: Gute Arbeitsbedingungen sind im Sozialbereich längst ein zentraler Faktor im Wettbewerb um Fachkräfte. Organisationen, die fair zahlen, transparent kommunizieren und realistische Arbeitsmodelle anbieten, haben im Recruiting oft einen klaren Vorteil.

Fazit: Ein Schritt nach vorne

Der neue SWÖ-KV-Abschluss bringt über zwei Jahre hinweg Gehaltsanpassungen und Verbesserungen im Rahmenrecht. Für Beschäftigte bedeutet das mehr finanzielle Absicherung und klarere Regeln im Arbeitsalltag. Für Jobsuchende ist es ein Signal, dass die Branche weiter an Standards arbeitet und ein guter Anlass, sich über Einstufungen, Arbeitsmodelle und Entwicklungsmöglichkeiten zu informieren. Und für Arbeitgeber heißt es: rechtzeitig planen, intern sauber umsetzen und die Chance nutzen, sich als attraktiver Arbeitgeber zu positionieren.

Wenn du im Sozialbereich arbeitest oder einen Einstieg suchst: Wir bei NGOjobs halten dich weiterhin über Entwicklungen in der Branche auf dem Laufenden und zeigen dir offene Jobs bei NGOs in der sozialen Arbeit in Österreich und Deutschland.

Wenn ihr Fragen dazu habt, dann schreibt uns gerne an support@ngojobs.eu.


Quellen: