Die Fairmittlerei: Verwenden statt Verschwenden!

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NGOJobs hat sich mit den MacherInnen der Fairmittlerei getroffen, die frei nach dem Motto „Verwenden statt Verschwenden“ Unternehmensspenden an Non Profits vermitteln. In unserem Interview stand uns die kürzlich gegründete NGO Rede und Antwort.

Worum geht es genau bei der Fairmittlerei?

Verwenden statt Verschwenden! In Bezug auf Lebensmittel ist das Bewusstsein für diese Philosophie in der Bevölkerung bereits recht weit verbreitet. Doch wie viele Tonnen mögen wohl im Bereich neuwertiger Non-Food-Produkte unnötig vernichtet werden, da sie nicht mehr regulär verkauft werden können? Ob falsch bedruckte Verpackung oder ausgelaufenes Sortiment – die Gründe für die Vernichtung sind vielfältig.

Hier setzt die Fairmittlerei an und vermittelt gebrauchsfähige Sachspenden (non-food) von Produzenten und Handel an gemeinnützig agierende Organisationen (NPOs). Logistische und finanzielle Herausforderungen stellen derzeit sowohl für Produzenten, Handel als auch für NPOs die größten Hürden dar, diese Produkte direkt zu spenden. Die Fairmittlerei erleichtert beiden Seiten, ihre vorhandenen Mittel sinnvoll einzusetzen. Eine Win-Win-Situation:

  • NPOs können benötigte Sachgüter deutlich unter dem üblichen Marktpreis beziehen. Das dadurch gesparte Geld können sie für ihre sozialen Zwecke einsetzen.
  • Produzenten bzw. Handel reduzieren ihre Kosten für Lagerung und gegebenenfalls Vernichtung von Sachgütern und übernehmen darüber hinaus soziale Verantwortung für die Gesellschaft.
  • Dies trägt zur ökologischen Nachhaltigkeit bei, da die widersinnige Vernichtung noch gebrauchsfähiger Sachgüter reduziert wird.

 

Wie seid ihr auf die Idee der Vereinsgründung gekommen?

Im Sommer 2015 ist Fairmittlerei-Obmann Michael K. Reiter zufällig auf eine ähnliche Initiative in Deutschland gestoßen, wo die Idee bereits erfolgreich umsetzt wird. Und seitdem hat sie ihn nicht mehr losgelassen! Er kennt die Situation auf Industrieseite aus eigener beruflicher Erfahrung und nach einem Research war klar: eine systematische Spendenvermittlung an NGO’s gibt es in Österreich nicht… noch nicht! Nachdem Michael sich drei Teammitglieder mit an Board geholt hat, wurde der Verein im Sommer 2016 offiziell gegründet. Nicht nur sollen sich NGO’s auf Kostenseite Geld sparen können, auch der Umweltaspekt spielt eine Rolle: gebrauchsfähige Produkte die nicht mehr verkauft werden (können) und gegebenenfalls unnötig vernichtet würden, können so noch für soziale Zwecke genutzt werden!

Wer sind die Leute hinter der Fairmittlerei?

Was die vier Gründer abgesehen von der Begeisterung für die Idee verbindet, ist das gleiche Studium an der FH Salzburg in Kuchl. „Design- und Produktmanagement“ hat sich bereits als gute Schmiede für viele Selbstständige und GründerInnen bewiesen, und hat auch dazu geführt, dass sich die Wege der Fairmittlerei-Gründungsmitglieder kreuzen. Beruflich haben sich die vier jedoch recht unterschiedlich entwickelt und bringen so auch verschiedene wichtige Kompetenzen ein: Schriftführerin Sabine Brunmair ihr Marketing- und Kommunikations-Know-How (ua. bei einer Tochterorganisation der Caritas Wien); Manfred Hlina (Stv. Obmann) seine Designkompetenzen und Erfahrung als FH-Lektor; Kassier Michael Gugenberger seine E-Commerce Expertise (ua. bei AUA und einem großen Amazon Onlinehändler in Amsterdam); Michael Reiter (Obmann) kennt sowohl Industrieseite (Henkel CEE GmbH, Haas Food Equipment) als auch NGO-Seite durch seine Tätigkeit bei Goodball und AMINA.

Ein Dank an dieser Stelle an alle FreundInnen der Fairmittlerei, die sich in verschiedensten Bereichen immer wieder ehrenamtlich engagieren! Und dank NGOjobs wird das Team seit kurzem mit weiteren eifrigen Unterstützern verstärkt!

Welches konkrete Angebot könnt ihr NGOs machen? Welche Industriespenden konntet ihr bereits vermitteln?

Konkret können NGOs bei uns die jeweils verfügbaren (non-food) Produkte zu einem Bruchteil des Marktpreises in bedarfsgerechten Mengen bestellen! Im Fokus stehen dabei Produkte des täglichen Bedarfs wie Körperpflege, Wasch- und Reinigungsmittel.

Wir nehmen Produktspenden in größeren Mengen von Industrie & Handel entgegen und lagern sie ein und nehmen Sie in unsere Preisliste auf. NGOs können diese dann bei uns bestellen. Für den Aufwand der Lagerung, der Kommissionierung und der Bestellabwicklung entstehen leider Kosten, die wir über eine geringe Vermittlungsgebühr decken müssen. Die Kostenersparnis für NGOs liegt dennoch bei bis zu 90% im Vergleich zum normalen Kaufpreis im Handel. Das Sortiment kann entsprechend der Produktspenden von Industrie & Handel variieren, was wir über unser Netzwerk versuchen auszugleichen. Parallel dazu arbeiten wir daran unsere Produktpalette sukzessive auszubauen.

Unter www.facebook.com/diefairmittlerei und www.diefairmittlerei.at gibt es nähere Informationen. Für mehr Infos und alle Neuigkeiten kann man uns einfach ein Mail an office@diefairmittlerei.at schreiben!

Wo seht ihr Euch in 1-2 Jahren?

Wir haben noch viel vor! Sehr gespannt sind wir auf die Ergebnisse eines Researchs mit dem Österreichischen Ökologieinstitut. Mit diesem wollen wir der Öffentlichkeit erstmals auch im Non-Food-Bereich aufzeigen, welches Mülleinsparungspotential es gibt! Ziel ist es außerdem, unser Netzwerk sowohl auf Spender- als auch auf Abnehmerseite in ganz Österreich auszubauen um somit sowohl ein attraktives, breites Produktsortiment als auch einen hohen Lagerumschlag zu erzielen. Wir möchten durch eine höhere Bekanntheit erster Ansprechpartner auf beiden Seiten sein, wenn es Überschüsse und Bedarf an Non-Food-Produkten gibt. Denn jedes fairmittelte Produkt ist ein Gewinn sowohl für die NGOs, für unsere Umwelt als auch die Industrie! Und in 20 Jahren möchten wir so stolz zurückblicken, wie momentan eines unserer Vorbilder: In Kind Direct hat in Großbritannien unter Schirmherrschaft des Königshauses Sachgüter im Wert von insgesamt ca. 165 Mio. GBP (ca. 194 Mio. €) vermittelt!

Das Interview wurde von Ferdinand Lischka mit der Fairmittlerei geführt.