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Klimakonferenz 2015 in Paris: „Wir sind die, auf die wir gewartet haben.“

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„Another world is not only possible, she is on her way. On a quiet day, I can hear her breathing.” (Arundhati Roy)

Ich hatte die Möglichkeit, die letzten 4 Tage der COP21 beim zivilgesellschaftlichen Programm der CIDSE (Weltverband der katholischen Entwicklungsorganisationen) im Rahmen der Klimakonferenz in Paris teilzunehmen und möchte hier von meinen Eindrücken erzählen.

„COP21 ist nicht das Ende. Es wird hoffentlich ein wichtiger Schritt sein, aber unsere Bewegung wird und muss darüber hinaus weitergehen.“ Das war vor Beginn der Verhandlungen ein prägnanter Satz für mich.

Schon am ersten Abend wurde bei Berichten über die Aktivitäten verschiedener Mitgliedsorganisationen der CIDSE sichtbar, wie die Bewegung für Klimagerechtigkeit in letzter Zeit gewachsen ist und dass es dabei für alle um viel mehr geht, als nur Klimaschutz. Es geht für uns um eine Änderung unseres (westlichen) Lebensstils und um eine Transformation des derzeitigen neoliberalen Wirtschafts- und Handelssystem. Dafür schmieden wir breite Allianzen von kirchlichen Organisationen bis zu Umweltorganisationen und globalisierungskritischen NGOs, von kleinen und größeren Graswurzelbewegungen im globalen Süden und Norden bis zu großen internationalen Verbänden.

In diesen 4 Tagen gab es ein reichhaltiges Programm von regelmäßigen Briefings über den Stand der Verhandlungen in Le Bourget, inspirierenden Vorträgen, eine Tour der Alternativen, einen Marktplatz der Initiativen bis hin zu weiteren Möglichkeiten zum informellen Austausch.

Hervorheben möchte ich dabei die Veranstaltungen mit WoMin (African Women Unite Against Destructive Ressource Extraction) und der Rural Women’s Assambly – zwei Zusammenschlüsse afrikanischer Arbeiterinnen und Kleinbäuerinnen.
Klimakonferenz 2015 in Paris: „Wir sind die, auf die wir gewartet haben.“Von vielen (feministischen) Organisationen sowie auch von verschiedenen politischen EntscheidungsträgerInnen auf der COP21 wurde die Unterrepräsentation von Black Women, Women of Color, Arbeiterinnen, Bäuerinnen, Migrantinnen usw. kritisiert. Ihre Stimme wurde während der Konferenz viel zu wenig gehört. Das sieht man nun auch im fertigen Abkommen, in dem „gender equality“ nur mehr in der Präambel erwähnt wird und auch weitere für Frauen besonders relevante Themen wie zum Beispiel „food sovereignty“ und „food security“ ebenfalls nicht mehr im Kerntext vorkommen.  Die engagierten Feministinnen von WoMin und der Rural Women’s Assambly wurden trotzt der Ignoranz seitens großer Teile der internationalen Staatengemeinschaft, nicht müde, ihre Workshops und Vorträge zu halten über alternative, gemeinschaftliche Solarenergieprojekte, die sich gegen weitere Kohlemienen und Kraftwerke in Südafrika stellen zu erzählen oder bei anderen Events beispielsweise ihre Botschaft „Africa is not for Sale“ zu verbreiten.

Das Ziel der Zivilgesellschaft in Paris war: „Was auch immer bei COP21 rauskommt – wir werden auf die Straßen gehen und das letzte Wort haben!“ Ob das auch wirklich legal möglich sein wird – abseits der Climate Peace Justice Action – war bis kurz vor Beginn der Demonstrationen aufgrund des Ausnahmezustands in Paris und der restriktiven Maßnahmen der Behörden nicht klar. Doch ein Zusammenschluss der Zivilgesellschaft und verschiedener Organisationen gab in Paris ein deutliches Zeichen indem sie sich in den Vorbereitungen und bei der Mobilisation auf die Kundgebungen und Demonstrationen am 12. Dezember nicht beirren ließen. Im ZAC (Zone Action pur le Climat) – quasi dem Zentrum der zivilgesellschaftlichen Zusammenarbeit während der COP21 hieß es am Vorabend: „Another world is possible, and tomorrow we will make her roar!“

Mit diesem Aufruf, ging es am nächsten Tag los. KlimaaktivistInnen haben sich an verschiedenen Orten in Paris getroffen um dort weitere Informationen zu erhalten, zu welcher Adresse und an welchem GPS Punkt sie nun gehen müssen um gemeinsam eine Botschaft auf die Landkarte von Paris zu schreiben. Auch wir ziehen los zu der uns zugeteilten Adresse. Loggen unseren Standpunkt mit dem Smartphone ein und verbreiten Fotos von unserer Aktion mit dem Hashtag #ClimateJusticePeace. Schon kurze Zeit später wird klar: Es hat geklappt: Fast 3000 Menschen haben an 1200 verschiedenen Punkten in der Stadt Climate Justice Peace auf der Karte zum Leuchten gebracht.Klimakonferenz 2015 in Paris: „Wir sind die, auf die wir gewartet haben.“

Danach ging es gleich weiter zur nächsten Aktion. Die Red Lines in der Nähe des Triumphbogens sind unser Ziel. Je näher wir diesem Ziel kommen umso dichter wird das Gedränge mit anderen Menschen die am gleichen Weg sind. Die Red Lines sollen sichtbar machen, dass es rote Linien der Zivilgesellschaft gibt, wie zum Beispiel den raschen Ausstieg aus fossilen Energien, die nicht übertreten werden dürfen. „Don‘t cross the red lines!“

Bei dieser Aktion waren schon richtig viele Menschen dabei. Immer mehr lange rote Tücher wurden die Straße runter ausgerollt und die roten Linien wurden so dicker. Es gab viel kreativen Protest und die Vielfalt und Kraft unserer Bewegung wurde dabei sichtbar. Von den Red Lines bildete sich dann ein Demonstrationszug Richtung Eiffelturm, wo auch die Abschlusskundgebung stattfand. Umgeben von Menschen, die sich alle mit all, ihrer Kraft, ihrem Herzen und ihrer Kreativität für transformative Veränderung einsetzten wurde für mich spürbar, was wir gemeinsam gerufen haben. „We are unstoppable another world is possible!“

Es ist klar: dieses schwache Abkommen reicht bei weitem nicht um die Erderwärmung unter den so wichtigen 2°C, geschweige denn den 1,5°C, zu halten. Auch wenn es einige gute Punkte ins Abkommen geschafft haben, die wir als Zivilgesellschaft für unsere zukünftige Arbeit gut nutzen können, brennt der Planet mit diesem Abkommen weiter und immer mehr Menschen werden aufgrund des Klimawandels – das heißt aufgrund unseres westlichen verschwenderischen Lebensstils und einem neoliberalen Wirtschaftssystem, das den politischen EntscheidungsträgerInnen noch immer wichtiger ist als (Klima-) Gerechtigkeit – verhungern, ertrinken, oder fliehen müssen.

Doch wir haben keine Zeit mehr um enttäuscht und niedergeschmettert zu sein. Wir müssen auf das schauen was wir haben, das, was wir durch dieses Abkommen gewonnen haben, aber vor allem den großen Schatz, den wir als Gemeinschaft und als Bewegung haben. Wir müssen radikaler werden, das heißt Probleme und Lösungen an der Wurzel suchen und weiter für eine gerechtere Gesellschaft arbeiten. Schritt für Schritt. Wir müssen bei uns persönlich und in unseren Organisation die Forderungen, die wir an die VerhandlerInnen gestellt haben, zuallererst umsetzen. Das heißt 50% Dekarbonisierung bis 2030, 95% Dekarbonisierung bis 2050. Wir müssen Druck auf unsere eigenen nationalen Regierungen ausüben und unseren PartnerInnen im globalen Süden zuhören, voneinander lernen und uns mit ihnen weiterhin solidarisieren.

35 Jahre bis 2050 klingt nach nicht viel, bedenkt man, was bis dahin alles geschafft werden muss. Wenn wir aber zurückblicken, und sehen, was in den letzten 35 passiert ist, scheint auch eine echte Änderung zum Positiven nicht mehr unmöglich. Zu wissen, dass wir dabei rund um den Globus mit kreativen, starken und engagierten Menschen verbunden sind, gibt Kraft.

“Wir sind die, auf die wir gewartet haben.”

Bericht von Hannah, erstveröffentlicht auf www.klimapilgern.at

Hannah war als freiwillige Teilnehmerin mit der KOO von 9.-13.12.2015 beim zivilgesellschaftlichen Programm der CIDSE in Paris. Sie hat 2014 ihr Diplomstudium der Internationalen Entwicklung abgeschlossen und beschäftigt sich mit nachhaltigen Alternativen und Initiativen auf lokaler und globaler; individueller und politischer Ebene, Klimagerechtigkeit, und intersektionellem und solidarischem Feminismus. Radikal – an die Wurzeln gehend.

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