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México Mío – Freiwilligendienst mit voluntaris in Mexiko

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Ein Erfahrungsbericht von Mirjam Nausner über ihren Freiwilligendienst mit dem Verein voluntaris

Sechs Monate meiner Bildungskarenz habe ich in San Cristóbal de las Casas, Chiapas, im Süden Mexikos gelebt und als Freiwillige in einem Kinderhilfsprojekt mitgearbeitet.

WER BIN ICH OHNE MEINE SPRACHE?

Mit dieser Frage sind wir unweigerlich konfrontiert, wenn wir in der Fremde unsere Komfortzone als TouristInnen verlassen. Ich bin nun bereits vier Monate hier in Mexiko. Ich kann mich mittlerweile im Alltag ganz gut sprachlich zurecht finden. Dank Smartphone kann ich mich schnell schlau machen, wenn mir ein wichtiges Vokabel fehlt oder ich ein Wort ins Deutsche übersetzen will. Doch das Lernen geht seine eigenen Wege. Es gibt Tage, da geht gar nichts mehr, scheinbar vollkommener Stillstand und ich stolpere von einem Grammatikfehler zum nächsten mit dem Gefühl, „Ich fange wieder bei null an!“ Die Lektion, die dann zu lernen ist, heißt Geduld üben und vertrauen in den Prozess des Lernens, der nicht linear erfolgt.

Gerade in der Arbeit mit Kindern ist oft schnelles Handeln angesagt und Grenzen müssen aufgezeigt werden. Wer bin ich mit all meinen Erfahrungen und meinem Wissen, wenn ich mich mit einem Mal sprachlich auf sehr einfachem Niveau bewegen muss? Während ich noch mit der richtigen Bildung des Imperativs beschäftigt bin, hat sich die Situation bereits völlig geändert…. Aber auch kuriose Situationen gibt es: Ich spiele mit einer Gruppe von Kindern Scrabble. Und schnell wird klar, Mangel an Rechtschreibkenntnissen trifft auf Mangel an Vokabular. Ich musste laut auflachen!

México Mío - Freiwilligendienst mit voluntaris in Mexiko

WENN DIE ERDE BEBT…

Ich bin nun bald 3 Monate hier in San Cris und in dieser Zeit konnte ich zweimal spüren, wie für einen Augenblick die Erde bebte und mein Bett eine ganz zarte Schaukelbewegung machte. Jedes Mal war ich mir nicht ganz sicher, ob diese ungewohnte Wahrnehmung real war.

In meinem ganzen Leben habe ich bisher nur ein einziges Erdbeben erlebt. Doch die Erinnerung an dieses Moment in meiner Kindheit ist noch sehr lebendig. Meine Geschwister und ich waren bereits zu Bett gegangen, als mit einem Mal das Stockbett quietschend zu schwanken begann. Wir wurden von unseren besorgten Eltern aus dem Zimmer geholt und eilten alle zum Gang unseres mehrstöckigen Wohnhauses. Dort trafen wir auf ängstliche Nachbarn und alle beratschlagten sich, was nun zu tun wäre.

Hier in San Cris sind kleine Erdbeben nichts Besonderes, zu alltäglich, um sich darüber auszutauschen. Man unterscheidet auch sprachlich zwischen schweren Erdbeben, die Schaden anrichten und terremoto genannt werden und kleineren Erderschütterungen, den sogenannten temblores.

Doch am 31. März kam es nachts, in den frühen Morgenstunden zu einem Erdbeben der Stärke 5,3. Das ist schon ganz beachtlich. Umso erstaunlicher, dass ich nicht aufgewacht bin, berichtete mir doch meine Mitbewohnerin Keekee, dass ihr Bett sicher eine Minute lang gewackelt habe. Ich dagegen habe das Erdbeben zeitgleich geträumt. In meinem Traum bebte die Erde so stark, dass wir aus dem Haus geflüchtet sind. Ich wachte in den frühen Morgenstunden auf, verwundert über diesen Traum. Auf meinem Gang zum WC traf ich dann Keekee, die mir erzählte, dass sie nicht mehr schlafen könne, weil vorhin die Erde gebebt hätte…

Ich bin ganz froh, dass ich das Erdbeben nur mit meinem Traumbewusstsein erlebt habe. So blieb mir der Schrecken meiner Nachbarn erspart.

STROMAUSFALL

Vor zwei Tagen, als ich so gegen 19.30 in der Dämmerung nach Hause kam, fand ich das Haus mit Kerzenbeleuchtung vor. Es schien niemand zu Hause zu sein. Es gibt kein Licht, stellte ich fest. Da kommt mir aus dem dunklen Wohnzimmer ein fremder Mann entgegen und erklärt mir, dass es keinen Strom gäbe. Mittlerweile weiß ich, dass meine Vermieter immer wieder Menschen aus den comunidades des Dschungels beherbergen, die eine weite Reise von vielen Stunden zurückgelegt haben, um hier in San Cris einen Arzt zu konsultieren. In vielen Dörfern im Dschungel gibt es keine Elektrizität. Wenn es dunkel ist, benutzt man Kerzen und Batterielampen. Fernsehen gibt es daher auch nicht. Einmal hat ein Mann hier übernachtet, der bis in die frühen Morgenstunden fernsah. Er war so begeistert, dass er am liebsten noch eine weitere Nacht hier geblieben wäre.

Ich musste nur einen Abend und eine Nacht ohne Strom und ohne Internet verbringen. Das war im Grunde nicht allzu schwer und doch wurde mir bewusst, wie sehr wir unser Leben darauf ausgerichtet haben.

Am nächsten Tag konnte das Problem glücklicherweise behoben werden. Ein Opossum hat das Stromkabel angeknabbert und – ist dabei ums Leben gekommen.

(Vielen Dank an Mirjam Nausner für den tollen Bericht und die Fotos und an voluntaris für die Möglichkeit, diesen hier zu veröffentlichen!)

Links

Aktuelle Ausschreibungen für Freiwilligendienste von voluntaris!

Bewerbungen sind ab sofort möglich. Die Ausreise findet nach den Vorbereitungskursen statt.

Weiterer Erfahrungsbericht von voluntaris: Als Physiotherapeutin in Ecuador

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